Beiträge von X-Man


    Die RS hat im Unterschied zur EX einen Lenkkopfwinkel von 26° (EX 27°) und einen Nachlauf von 99 (!) mm (EX 114 mm). Hinzu die 17-Zöller, eine um 5 mm höhere Sitzposition, verringerte Bodenfreiheit, einen kürzeren Radstand, einen 30 mm tiefer montierten 30 mm schmaleren Lenker. Diese Modifizierungen ergeben in der Summe ein Fahrverhalten, dass deutlich von der EX abweicht. Wobei der Unterschied zu den älteren EX-Modellen noch größer ausfällt.


    Ob die Unterschiede relevant sind, hängt von mehreren Faktoren ab, von der physischen Beschaffenheit des Fahrers/der Fahrerin zum Beispiel. Und wenn man nur eines der beiden Modelle kennt bzw. fährt bzw. ein älteres Modell sein eigen nennt, hat man möglicherweise keine Vorstellung betreff der Unterschiede, Theorie und Praxis halt.


    Ich schätze die Vorzüge der veränderten Fahrzeuggeometrie und der veränderten Fahrwerkskomponenten bei der Landstraßenfahrerei. Da mein Heimatrevier fast nur aus Kurven besteht, trennt sich hier schnell die Spreu vom Weizen, und ich bekomme ziemlich rasch eine Vorstellung von den Unterschieden betreff Fahrwerk und Handling. Hier punktet die RS ganz eindeutig vor der EX. Ganz anders sieht es auf Streckenabschnitten mit (sehr) langen Kurven und bei Geradeausfahrten (AB) aus, wo die Durchschnittsgeschwindigkeiten jenseits von 100 km/h liegen können, das ist (für mich) das Revier der EX.


    Die Rede ist selbstverständlich von den Stärken, natürlich können beide Maschinen beides. Entscheidend ist, wie die obere Hälfte des Motorrads das empfindet und einsortiert, welche Erfahrungen man macht, was einem wichtig ist. Mir persönlich, das habe ich herausgefunden, ist eine hohe Stabilität bei höheren Geschwindigkeiten (auch in Kurven) wichtig. Von daher ist eine Entfernung der Geschwindigkeitsbegrenzung - für mich - unnötig: ich würde das auf keinen Fall ausnutzen wollen.


    Als Vielfahrer mit hohem AB-Anteil empfinde ich die RS als zunehmend nachteilig, aber die Meinungen hierzu müssen quasi zwangsweise auseinander driften, aufgrund von Präferenzen und Erfahrungen.


    Gruß
    Jörg


    Jo, erscheint mir so weit logisch. Die RS hat ja die 17Zöller drauf, da wird die Drehzahl in % höher ausfallen. Und der Pneu bzw. seine Kontur selbst ist ja auch ein Indikator. Ich werde mir morgen mal das Abnutzungsbild des Profils anschauen.
    Mir ist halt in bestimmten Kurvenkombinationen aufgefallen, dass - wenn ich spät (und etwas zäh) aus der Schräglage hochkam - die Beschleunigung so markant hoch war, dass ich für meinen Geschmack zu flott in die Folgekurve getragen wurde. Die Kurvengeschwindigkeit lag in einem speziellen Fall bei ca. 90 km/h im 4. Gang, die Schräglage hatte in etwa Fußrastenniveau (keine Ahnung, was das bei der CB in Grad ist).
    Kann man da vom selben Effekt sprechen, oder kann man das allein an der Kurvenlinie festmachen?


    Gruß
    Jörg

    ... Und in Richtung Kurvenausgang nicht ZU lange in Schräglage verweilen UND gleichzeitig beschleunigen. Sage ich als Landstraßenamateur mit dahin gehender praktischer Erfahrung ... :icon-redface:


    Gruß
    Jörg


    Für die Landstraße hat die CB mehr als ausreichend Power, das ist wahr ... :cool:


    Aber das Gefühl habe ich auch, wenn ich mit der NC 750 S unterwegs bin, mit 55PS/68Nm ist man da bereits gut bestückt. Tatsächlich ist es auch so, dass die NC-Modelle, die ich gefahren bin, bei Topspeed (laut Tacho bis 195 km/h) deutlich ruhiger auf der Straße lagen, als die RS.


    Gruß
    Jörg


    Als die Yamaha XJR 1300 wegen Euro4 aus merkantilen Gründen geopfert wurde, gab's ein allseitiges Bedauern. Jetzt, einige Jahre später, ist der Gebrauchtmarkt noch relativ gut bestückt, und die Preise schwanken je nach Laufleistung und Modelljahr zwischen etwa 3000 u. 8000 Euro. Meine Prognose: Weil das ein Motorrad der Herzen ist und tatsächlich bereits Kultstatus hat, werden die Preise auch in den kommenden 10 Jahren einigermaßen stabil bleiben.


    Da die CB 1100 in dieser Liga vertreten ist, bietet sich ein direkter Vergleich an. Wenn jemand in Zukunft auf der Suche nach einem luftgekühlten Big-Block-Bike ist und sagen wir mal vor der Wahl zwischen Honda u. Yamaha steht ... hm. Zumindest das ABS steht bei Honda auf der Plusseite.


    Mein Eindruck ist, der Gebrauchtmarkt wird zur Zeit mit CB-Modellen angedickt. Ich habe mich auch schon selbst als Dummerchen bezeichnet, weil ich nicht abgewartet habe, obwohl sich diese Tendenz bereits im Sommer 2018 abgezeichnet hat. Heuer bekommt man 2-3 Jahre alte Maschinen mit lächerlich geringen Laufleistungen bereits für um die 7000 Euro. Das ist in etwa das durchschnittliche aktuelle Preisniveau einer XJR 1300, die noch um 1-2 Jahre älter ist.



    Das sehe ich auch so. Die CB 1100 scheint für viele so etwas wie eine Ikone zu sein, die man u.a. auch fahren kann. Großartig anzuschauen, aber fahrtechnisch halt ein Dino Bike, be- und verurteilt von Gewichts-, Fahrwerk- und Leistungsfetischisten. Auf den Gedanken, dass es Motorradfahrer gibt, die sich ganz gezielt dieses Old-School-Fahrgefühl wünschen, scheinen die wenigsten zu kommen.
    Technisch für die Ewigkeit, quasi unkaputtbar? Das steht für die Meisten heutzutage tatsächlich nicht mehr an erster Stelle. Wie kann man z.B. eine x-beliebige KTM derart in den Himmel loben und gleichzeitig Klagelieder darüber anstimmen, dass man alle zwei Monate außerplanmäßig in die Werkstatt rollen muss? Und die Liste mit billigst produzierten Joint-Venture-Plastik-Bikes wird länger und länger.


    Gruß
    Jörg


    Interessanterweise hatte meine 14er EX einen stabileren Geradeauslauf bei höheren Geschwindigkeiten, vielleicht eine Kombination aus anderem Lenkkopfwinkel, anderen Reifendimensionen, anderer Tankform? Ein Vergleich der Windströmungsbilder RS/EX bietet möglicherweise Aufschluss, ob sich die veränderte Geometrie bezgl. Sitzhaltung wesentlich auf den Fahrkomfort auswirkt.
    Unter Speedattacken mag jeder etwas anderes verstehen. Ich verstehe darunter allein das Empfinden in schnellen Fahrsituationen. Wenn ich die Gewissheit habe, die physikalischen Begleiterscheinungen von Geschwindigkeit, Fahrzeuggewicht und Fahrbahnverhältnissen noch unter Kontrolle zu haben, schaue ich bei der RS auf den Tacho, und die Nadel steht dann maximal bei 150 km/h. Alles darüber ist unnötiger K(r)ampf aus meiner Sicht.
    Meine Empfehlung an alle RS-Fahrer lautet folglich: Hohe Geschwindigkeiten in Richtung Speedcutter vermeiden, denn das ist stressig, ungemütlich und bedeutet somit das Gegenteil von Genuss und Fahrkomfort.
    Der Markt bietet ein breit gefächertes Angebot an Motorrädern, die a) viel schneller vorankommen als die CB 1100, dies b) um einiges bequemer u. unangestrengter und c) auch sicherer (durch entsprechende elektronische Helferlein) bewerkstelligen. Warum man so ein altmodisches Trumm wie die CB auf 200 oder mehr km/h beschleunigen möchte, will sich mir partout nicht erschließen. :eusa-think:


    Gruß
    Jörg